Arielos Blog

Arielo kam am 02.11.2010 nach Deutschland.  Man hatte ihn in der Tötung von Vitoria abgegeben. Denn er ist blind und weitgehend taub. Er neigt dazu in Kreisen zu gehen. Je unsicherer er ist, desto kleiner sind seine Kreise. Möglicherweise ist seinen Besitzern etwas zugestoßen und kein anderer wollte ihn.
Zu Arielos Glück  gibt es in Vitoria spanische Tierschützer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Hand in Hand mit deutschen Tierschützern zusammenarbeitend, den Hunden und Katzen eine Chance auf Leben zu geben, die niemand in Spanien adoptieren mag und die früher deshalb getötet wurden.

So verdankt Arielo sein Leben zunächst seiner spanischen Pflegemama, einer Helferin von SOS Vitoria.

Bereits auf der spanischen Pflegestelle bekam er Medikamente. Die Symptome schienen abzuklingen. Durch seinen Umzug wurde aber offensichtlich, dass Arielo nicht durch die Medikamente wie gehofft geheilt wurde, sondern sich an seine Umgebung gewöhnt und gelernt hatte, dort zurecht zu kommen.

Durch den Umzug zu uns, fing er wieder mit Null an.

Anfangs lief er nur diese kleinen Kreise. Als Pflegemama litt man mit. Und  ohne Leine bellte Arielo auch viel im Garten. Wohl um vermeintliche gefährliche Hunde abzuschrecken.

08.11.2010
Jetzt nach knapp einer Woche hat er sich eingewöhnt und weiß, dass ihm von den anderen Hunden keine Gefahr droht. Je sicherer er sich fühlt, desto größer werden seine Kreise und er kann auch mal ein Stück geradeaus gehen. Durch einen Zischlaut wie  „Schschscht“ scheint man ihn zu erreichen. Andere Geräusche wiederum hört er überhaupt nicht. Auch eine Hand direkt vor seinem Gesicht ringt ihm keinerlei Reaktion ab.

Wir gehen davon aus, dass seine Behinderung angeboren ist und auf einem genetischen Defekt beruht.

Erstaunlicherweise kollidiert er eigentlich nie mit etwas oder jemanden. Er kann Treppen steigen, geht sie aber nicht runter, sondern bleibt oben stehen und bellt dann.  Offensichtlich hat er gelernt, dass man ihn dann rettet.

Wenn er sich im Garten nun verlassen fühlt, fiept er. Ist jemand in der Nähe, den er kennt, ist die Welt wieder in Ordnung.  Die Kreise werden dann etwas größer.

Arielo kann nicht einfach wie die anderen Hunde wegen der Treppe selbst in den Garten gehen. Deshalb kann er nur so stubenrein sein, wie seine Menschen bereit sind, ihn nach draußen  zu tragen.

Er ist ein lieber, sehr verschmuster Hund. Weil er derzeit sehr viel lernen muss und die Masse an Infos ihn echt fordern, schläft er sehr viel. An der Leine zu gehen, findet er noch gruselig. Einerseits verhindert die Leine, dieses im Kreis laufen, andererseits mag er die Leine nicht wirklich. Sobald etwas Spannung auf der Leine ist, legt er sich platt auf den Bauch und streikt.

Das müssen wir eben noch  üben.

 

Die Videos zeigen ihn ohne Leine. Da man nicht aus einigem Abstand filmen und gleichzeitig Arielo beruhigen kann, ist Arielo auf den ersten Filmen unsicherer. Hier zeigt er das Verhalten, das er in den ersten zwei Tagen zeigte, nur dass er da noch viel bellte.

 

 

Hier kann man gut sehen, dass Arielo wohl doch auf dieses bestimmte Geräusch, diesen Zischlaut, reagiert. Das macht Hoffnung.

 

 

Während Arielo im Garten sehr viel läuft, verhält sich Arielo im Haus deutlich ruhiger. Von draußen ins Haus kommend, setze ich ihn immer auf die gleiche Stelle. Dann kreist er nur wenig, sucht sich ein kuscheliges Plätzchen, das er durchaus auch mal wechselt und dann schläft unser Prinz, wenn man ihn nicht zum Hörtest weckt....

 

Weitere Videos finden sie an gleicher Stelle auf Youtube.

Wer Erfahrung mit blinden und tauben Hunden hat, darf sich gerne mit Ratschlägen einbringen. Wir sind über jede Anregung froh, schließlich wollen wir für Arielo nur das Beste: nämlich dass er einen Weg in unsere Welt findet und aktiv an unserem Leben teil hat. Im Moment ist es ja leider meistens so, dass man mit im Dinge tut, deren Beginn er nicht voraussehen kann und er auch mangels Sehfähigkeit und Gehör nicht einschätzen kann, wann sie enden.

Es spricht für den guten Charakter des Hundes, dass er sein Schicksal so gelassen nimmt und nicht aus bloser Vorsicht, nach jeder Hand beißt, die nach ihm greifen will, schließlich wird er ja nicht gefragt, ob er damit einverstanden ist, mit dem, was man mit ihm macht.

 

29.11.2010

Arielo ist nun 4 Wochen in Deutschland. Nicht dass sich plötzlich seine Welt völlig anders herum dreht, aber es gibt Veränderungen:

Seit etwa 10 Tagen fiel uns auf, dass Arielo auf verschiedene Geräusche reagiert, die er anfangs gar nicht wahr nahm bzw. völlig ignorierte.

Wenn nun aus meinem PC beim Videobasteln versehentlich lautes Hundegebell oder "gefährliche Geräusche"( Knall, Geschepper) kommt, wird Arielo nervös. Erst hob er nur den Kopf, dann lief er im Zimmer auf und ab - oder er bellte. Natürlich bei mehreren Hunden ist es doch möglich, dass er auf die Reaktion unserer Hunde auf das Geräusch reagierte und nicht auf das Geräusch.

Dann vor ein paar Tagen fing er plötzlich doch einmal an, Knapperkram zu kauen. Endlich! Die Kaustangen kommen aus einer Plastiktüte. Und dann, zwei Tage später, als ich eine kleine Tüte Gummibären aufmachte - ja wurde der Steppke plötzlich gaaaanz aufmerksam!!
Ich kann mir das nur so erklären, dass sich in Arielos Leben keiner um ihn kümmerte. Er ist es gar nicht gewöhnt, dass man ihn anspricht, dass man was von ihm will, was positiv sein könnte. Er hat ja auch immer noch so Angst, wenn man ihn anfasst und zittert dann, der arme Wurm.

Daher will ich in den nächsten Tagen mal sehen, mit welchem Futter man ihn so aus der Reserve locken kann, dass er Spass daran hat, mit uns ins Gespräch zu kommen.

03.12.2010

Arielo wurde gestern unserer Tierärztin vorgestellt, um zu überprüfen, ob sich irgendwelche anatomischen Anomalien in den Ohren feststellen lassen. Es macht ja keinen Sinn, damit zu spekulieren, dass Arielo vielleicht hören kann, ohne mal einen Blick in den Gehörgang zu werfen. Zunächst wurde der Blick ins Ohr  von Haaren, Salbenresten und etwas Ohrenschmalz verwehrt. Als Frau Dunn diese Hindernisse entfernt hatte, konnte sie nur klinisch normale, anatomische Verhältnisse feststellen. Eine leichte Rötung vielleicht in einem Ohr, aber das konnte auch von der Säuberung des Gehörganges stammen. Ich demonstrierte ihr seine Reaktion auf bestimmte Geräusche, aber insgesamt präsentierte sich Arielo kompetenter, was seinen Gehörsinn betraf.

Stutzig wurde Frau Dunn, als ich ihr beläufig mitteilte, dass Arielos Hauptproblem ja wohl in der Blindheit bestünde. "Welche Blindheit? Der ist doch nicht blind?"  Frau Dunn leuchtete nochmal in Arielos Augen und versicherte mir, dass sich ganz eindeutig ein Pupillenreflex beider Augen auslösen ließe. Und das geht beim blinden Hund nicht. Ich denke, ich muss ziemlich blöd aus der Wäsche geschaut haben.

Man hatte uns doch gesagt, dass Arielo beim Tierarzt in Spanien war. Dass er blind und taub sei. Er hatte ja auch Ohrensalbe und ein Antibiotikum mitbekommen. ( Nur bei der Gegenwehr, die er bei uns an den Tag legte, konnten wir kaum glauben, dass er die Tabletten zuvor wirklich verabreicht bekommen hat.... )
Und weil keiner ihn wollte .... und Mimmis Adoption absehbar war, hatten wir ihn aufgenommen. Voller Optimismus einem seh- und hörbehinderten kleinen Hund Lebensqualität zu sichern und mit noch mehr Optimismus, auch eine eigene Familie zu finden, na klar, aber auch kalkulierend, dass er vielleicht im schlechtesten Falle kein eigenes Zuhause finden würde. Nach dem Motto, der wird ja von den Krümeln satt, die die Großen fallen lassen. Und Arielo ist ja wirklich genügsam. Kennt nix außer Trockenfutter, die arme Socke.

Unsere Tierärztin geht davon aus, dass es sich in Arielos Fall um eine Art Kaspar Hauser, einen Fall von Hospitalismus handelt. Das Im-Kreis-Laufen sei eine schlechte Angewohnheit und weniger ein Zusammenwirken einer Hör oder Sehstörung.  Ganz offenbar ist Arielo ein Opfer völliger seelischer Verwahrlosung und mangelnder Zuwendung. Geistige Förderung hat er nie erfahren.

Seine Verhaltensauffälligkeiten sind also nicht die Folge einer körperlichen Behinderung, sondern eines seelischen Schadens.

Frau Dunn schätzt ihn auch jünger, weil er wirklich gute Zähne hat. Er sei etwa zwei Jahre alt und nicht fünf. Augen und Zähne sind nur eben schwer zu beurteilen bei einem Kleinsthund, der gerne den Kopf gesenkt hält und dessen einziges Vergnügen darin besteht im Kreis zu laufen und manchmal zu bellen. Und der es hasst, wenn man ihn festhält und untersucht. Danach hatte ich nun wirklich nicht geschaut.Wie gesagt, ich hatte ja nicht einmal Grund, an der Blindheit und an der Taubheit zu zweifeln.... aber sooooo wird ein Schuh draus...

Servicemäßig schnitt sie ihm noch die spitzen Krallen und die Haare, die ihm die Sicht verlagerten, dann konnten wir wieder nach Hause fahren. Das liebe ich an unseren Tierärzten, die denken eben mit!

 

Update vom 31.12.2010:

 

 

Update vom 14.01.2011

Arielo kann jetzt auch mal ein Leckerli abholen. Und er spielt jetzt auch in meiner Anwesenheit - wenn ich mich ruhig verhalte...


 

 

Update 20.01.2011

Aktuelles Bild!

 

Update 09.05.2011

Liebesgeschichten, wie sie das Tierschutzleben schreibt. Leider dauerte Arielos Schwärmerei nur einige Wochen, da Piccola ein schönes Zuhause gefunden hat....

 

 

Update 23.08.2011

Arielo stand mal wieder vor Dreck, was bei dem niedrigen Bodenabstand und dem langen Fell einfach nicht ausbleibt. Zunächst entschieden wir uns ihn an einem schönen Tag zu baden. Ist er nicht bildschön?

 

 

Update 28.08.2011

Arielo hat mal wieder seine 5 Minuten und das Plüschtier nichts zu lachen. Bitte Ton laut stellen, damit man ihn und das Ungeheuer hört....

 

 

Update 01.09.2011

 Aber leider war Arielo wenige Tage später wieder ziemlich schmutzig und roch auch nicht gut. Und baden findet der kleine Herr Monk auch ziemlich furchtbar. Wie soll er denn wissen, dass wir ihn nicht ertränken wollen. Er findet es ja schon furchtbar festgehalten zu werden.



Zugegeben, schöner war er vorher, aber jetzt hat er einen zweckmäßigen Sommerschnitt, bei dem er sich nicht anpieseln kann und der ihm Kamm und Shampoo erspart. Und das ist, was für Arielo zählt. Und für die Haarliebhaber - das wächst ja alles wieder!!!

 

Update 03.11.2011:

Arielo hat ein Zuhause bei einer echten Tierfreundin gefunden. Die Dame setzt sich seit über zwanzig Jahren speziell für die benachteiligsten Notfelle ein. Sie hilft den Hunden, die keiner will: behinderte und/oder alte Tiere. Sie hilft ausschließlich den Ärmsten der Armen. Im Tierschutz ein abgenutzter Begriff, den die meisten Wichtigtuer unberechtigterweise für sich nutzen. Aber diese Tierfreundin hat nur Hunde, die woanders durchs Raster gefallen sind. Durch einen Zufall wurde sie auf unseren Arielo aufmerksam und meldete sich bei uns..

Arielo wurde von ihrer Pflegemama direkt in sein neues Zuhause gebracht. Daher wissen wir, dass Arielo mehr als einen Sechser im Lotto gezogen hat. Denn hier darf Arielo nicht nur unter seinesgleichen leben - alle Hunde haben seine Größe. Außerdem ist sein neues Frauchen ein richtiger Profi für Hunde mit Handycap. Arielo wird hier noch bessere Förderung als bisher erfahren. Im Gegensatz zu seiner Pflegestelle bleiben in seinem neuen Zuhause auch die Zusammensetzung der "vierbeinigen Bewohner" konstant. Auch wenn Arielo in den letzten Monaten gelernt hat, dass neue (auch große)  Hunde in der Familie keine Gefahr für ihn darstellen, wird ihm die neue Konstanz gut tun.
Von allen bisherigen Vermittlungen ist Arielos Vermittlung wohl die außergewöhnlichste. Arielo hat den Umzug erstaunlich gelassen überstanden. Er hat offensichtlich gleich gemerkt, dass es ihm in seiner neuen Familie gut gehen wird. Bilder

Update vom 08.03.2012

Am Abend des 07.März 2012 rief Frau Kurth bei uns an, um uns mitzuteilen, dass Arielos Gesundheitszustand sich plötzlich und ohne jede Vorwarnung rapide verschlechtert hätte. Als wenn man einen Schalter umgekippt hätte, zeige Arielo von einem Augenblick zu anderen mehr Angst denn je, kote sich auf seinem Hundekörbchen ein; aber am Schlimmsten sei: er verweigere Fressen und Trinken.
Wer Arielo kennt, weiß dass man ihm nicht gegen seinen Willen etwas eingeben kann. Arielo kann wie ein Löwe kämpfen, wenn ihm etwas nicht gefällt oder fremd vorkommt.
Nachdem Arielos Gemütszustand sich nicht verbesserte und der kleine Mann vor lauter Stress völlig entkräftet war, schläferte die Tierärztin von Frau Kurth den kleinen Mann ein. Arielo sei mit Hilfe der Tierärztin friedlich eingeschlafen.

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